HIMALAYA TOUR TAGEBUCH

DANE-TEST-HIMALAYA Tour Heimreise und Fazit (7. bis 9. August): Der Motorrad-Trip des Lebens verändert unser Denken. Zeit Abschied zu nehmen. Fahrt in die Metropole Dehli und Verabschiedung am Flughafen.

Nur widerwillig geben wir unsere Mopedschlüssel ab und als am Dienstagabend während unserer Abschlussfeier mit Moti und dem Manager von Motorcycle Expeditions die Enfields abgeholt werden und in der Dunkelheit von Manali davonknattern, blutet uns schon das Herz. Wir haben die urigen Einzylinderviecher in den vergangenen vierzehn Tagen ziemlich liebgewonnen. Der Trennungsschmerz trifft uns unvermittelt. Da können auch die Geschenke, die uns vom Veranstalter überreicht wurden, eine traditionelle Kopfbedeckung und ein edler Schal (Danke an Motorcycle Expeditions!) nur kurzzeitig trösten.

Die Enfield, ein tolles Geschoss

Über Stock und Stein, durch Wasserlöcher, Schlammlawinen, Sand- oder Kieselsteinpassagen – niemals hat uns unser benzinsaufender Ackergaul im Stich gelassen und uns stets zuverlässig ans Ziel getuckert. Unisono schwärmen alle Teilnehmer von dem Kultmoped made in India: Tolle Fahreigenschaften on- wie offroad, kraftvoller Anzug aus dem Drehmomentkeller, komfortable Sitzposition, kerniger Sound, gediegene Optik – Motorrad pur. Man möchte ins Schwärmen geraten und tut es auch.

Der letzte Abend

Mittwoch packen wir im Highland-Hotel in Manali unsere Motorradausrüstung zusammen, hängen ein wenig herum, holen etwas Schlaf nach, aber reflektieren schon fließig die erlebten Abenteuer.

Bevor es um 17 Uhr 30 wieder in den Volvo-Sleepliner geht, der uns über Nacht nach Delhi bringen soll, stärken wir uns in der Altstadt von Manali mit vegetable soup, Hühnchen, tibetanischen „Momos“ aus der Garküche, Veggie-Burgern sowie Kingfisher-Bier (Version Strong mit 8,5 Prozent Alkohol). Für 100 Rupien (ungerechnet 1,40 Euro) nehmen wir jeweils zu zweit ein Tuk-Tuk, das indische Taxi auf drei Rädern, zurück zum Hotel und beladen den Tourbus ein letztes Mal mit unseren Koffern, Reisetaschen, Gepäckrollen und sonstigem Equipment, vor allem der Foto- und Videoausrüstung des Dane-Teams.

Fahrt nach Delhi

Wie die alteingesessenen Berufspendler zwischen Manali und Delhi entern wir den Bus und richten uns wohnlich auf den Plätzen 1 bis 14 ein. Routiniert nehmen wir die Kotztüte des zweiten Bordoffiziers entgegen und verstauen sie unbesehen vor uns im Ablagefach. Das bisschen Herumgejuckel kann uns nach unseren bisherigen Erfahrungen nicht mehr erschüttern.

Großer Kulturschock

In den frühen Morgenstunden erreichen wir die indische Metropole. Erneut bekommen wir einen Kulturschock. Die Szenen, die wir vom Bus aus – wie in einem goldenen Käfig sitzend – beobachten können, sind nichts für schwache Europäer-Herzen. Die Armut is beängstigend. Überall stehen, liegen und hängen die Menschen herum. Schlafen auf nacktem Asphalt, neben ekelerregend aussehenden Pfützen, Morgengymnastik am schwarz-braun dahinfließenden Fluß, Achselhöhlen werden auf dem Dach von Kiosken und anderen Bruchbuden mit Wasser bespritzt (Körperhygiene in der Beletage). Dazwischen streunende Hunde und Katzen, natürlich auch hier Rinder, gewissermaßen Citykühe. Am Himmel und besonders über den Müllansammlungen kreisen aberhunderte von Greifvögeln. Aber was heißt hier Müllansammlung? In der ganzen Stadt türmt sich der „garbage“.

Dazu kommt ein höllischer Lärm von der Straße, ein Hupkonzert aus tausenden von Vehikeln, die ins Zentrum des menschengemachten Molochs drängen. Fußgänger, Karrenschieber, Einspänner, Tuk-Tuks, Fahrrad-Rikschas, Autos (vereinzelt sehen wir Audis, BMWs und Mercedesse) und Busse verkeilen sich immer wieder in den zahlreichen Roundabouts Delhis. Wie durch ein Wunder und vergleichbar einem wuselnden Ameisenhaufen finden alle Glieder dieses anonymen Verkehrswesens immer wieder geordnet aus dem Chaos heraus. Unfälle sehen wir so gut wie keine, Beinahekollissionen ständig.

Abertausende von Kindern streben in properen Uniformen zu ihren Schulen. Die wachsende indische Mittelschicht lässt sich erahnen. Viele Importautos, vor allem aus Japan und Korea, legen ein Zeugnis vom wirtschaftlichen Fortschritt ab. Sehr, sehr viele hängen aber nach wie vor in ihren Kasten fest, zum Beispiel Schuhputzer, Rikschafahrer, Schuster etc.

Sightseeingtour durch die Metropole

Nach einem stärkenden Frühstück im Hotel Florence Inn und Lunch in einem feinen Restaurant im Diplomatenviertel, das von zahlreichen bewaffneten Sicherheitskräften bewacht wird (Stichwort „gated area“) brechen wir am nachmittag zu einer kleinen Sightseeingtour auf.

Nachdem uns am Eingang einer Moschee in der Nähe des bekannten „Red Forts“ die Leibesvisitation droht (no cameras, no women), drehen wir um und lassen die unhöflichen, ja anmaßenden religiösen Eiferer stehen. Die Schuhe hatten wir schon ausgezogen und die Kameras bei einem zurückliegenden Kollegen im Rucksack verstaut. Zu mehr Eingeständnissen sind wir nicht bereit und zeigen der orthodoxen muslimischen Sache die kalte Schulter.

Dafür gönnt uns Moti noch eine Runde Fahrrad-Rikscha durch den nahegelegenen Suk. Eine ähnlich aufregende Spazierfahrt durch eine fremde Welt haben wir alle noch nicht erlebt. Für den Fahrer, der zwei ausgewachsene Europäer, sich selbst und das Dreirad bewegen muss, ist das natürlich eine ziemlich schweißtreibende Angelegenheit und hart verdientes Brot. Die Videocams und iPhones filmen, was das Zeug hält. Beschreiben kann man so ein Gewimmel nicht, man muss es gesehen haben.

Der Rikschafahrer speit nochmal kurz seinen rötlichen Schleim aus, der von einer Betelnuss stammt, die den Hunger stillt, strampelt in die Pedale und bringt uns zum Bus zurück. Neben dem regulären Fahrpreis (1.200 Rupien oder rund 16 Euro für elf Personen), geben wir großzügig Trinkgeld.

Emotionale Verabschiedung

Am Freitag morgen um 6 Uhr 5 endet unser Indientrip. Das Gros der Gruppe besteigt den Flieger nach Hamburg. Peter, Johann und Martin jetten nach München. Moti hat uns noch an den International Indira Gandhi Airport gebracht und wir drücken ihn noch einmal fest an uns. Vereinzelt werden Augen feucht.

Text und Fotos: »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner.

 

Tag 13 der DANE-TEST-HIMALAYA Tour (6. August): Die Schlammschlacht am Leichenberg. Eine außergewöhnliche Tour geht zu Ende. Kennenlernen des Lebens weitab der Zivilisation. Eine nervenaufreibende Fahrt über den Rohtang-Pass und die herzliche Verabschiedung bei Servicepersonal und Tourleitung.

Nach einer romantischen Lagerfeuernacht in Jispa (wieder mit den iPhone-Hits von Martin und Whisky-Cola in den Bechern) brechen wir am Dienstagmorgen zu unserer letzten Motorradexpedition auf. „Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so spät?“, möchte ich an dieser Stelle Paulchen Panther zitieren. Das darf doch wohl nicht wahr sein, dass unser Trip des Lebens bald zu Ende geht?

Abschlussziel: Rohtang-Pass

Als Abschlussride haben wir uns nochmal den Rohtang-Pass oder zu deutsch „Leichenberg“ vorgenommen (wie die Kollegen zuhause bereits in Folge 4 gegoogelt hatten). Technisch sehr anspruchsvoll. Warum? Weil dieser Pass alle 100 Meter eine neue Überraschung nicht nur für Motorradfahrer parat hält. More about these special challenges later.

Der Aufstieg führt durch das wunderbar fruchtbare Tal des Beas-River. Die Landwirtschaft blüht. Kartoffel, Bohnen, Erbsen, Karotten – Gemüse jeglicher Couleur wächst hier. Sogar Hopfen gedeiht in fast 4.000 Meter Höhe, sehr zum Wohle der einzig genießbaren indischen Biermarke namens Kingfisher.

Das Leben in den Bergen

Ein kleiner Abstecher auf eine Seitenstraße führt uns zu einem Turm aus dem 15. Jahrhundert, der einem Edelmann gehörte. Heute haben sich darum romantische Bauernhäuser gruppiert. Vor der Haustür schieben sich rote und rosane Malven von beträchtlichen Ausmaßen in die Höhe. Auf dem Erbsenacker schreitet majestätisch der Himalaya-Öhi und prüft kritisch den Reifegrad seiner Früchte. Fünfzig Meter weiter empfängt ihn die Bäuerin mit einem frisch gebrühten Tee. Leben in den indischen Bergen vollzieht sich so wunderbar entschleunigt – zumindest im Sommer.

Denn ein Blick hinauf zu den tosenden Wasserfällen zeigt, dass diese Sicht viel zu romantisch ist. Denn im Winter ist das Leben angesichts der Schneemassen, die hier niedergehen und der klirrenden Kälte ein harter Kampf ums Dasein. Die Täler sind im Winter komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Der Zugang über den Rohtang La ist nur von Juni bis Ende September geöffnet.

Den Winter verbringen die Einwohner dieser abgelegenen Täler in Einsamkeit. Die Zeit verkürzen sie sich mit dem Feiern vieler Feste, wie unser Guide Moti berichtet. Seine Eltern leben in diesem Beastal.

Actionreiche Auffahrt

Wir kurven am Ufer des Beas-Rivers weiter bergan. Alle Driver geben ihr bestes. Es scheint, dass heute die Quintessenz aus zwölf Tagen anstrengender Arbeit mit den Motorrädern in Indien zu Tage tritt. Jeder zeigt sein individuelles Können. Stets muss man den unmittelbaren Weg vor sich im Auge haben. Blitzschnell wechselt bester Teer mit einem Untergrund, der am besten mit einem ausgewaschenen Bachbett beschrieben ist, durchsät mit halbrädergroßen Kieseln. Dann wieder unverhoffte Jumps. Der Fahrer kommt aus der Hocke und springt zusammen mit seinem Bike durch die Lüfte. Nur wer den Landeplatz geschickt wählt, kommt ohne Bruchlandung aus.

Dann quert plötzliche wieder Wasser den Weg. Ganze Bäche, ja Flüsse, ergießen sich über die Fahrbahn. Konzentration in jeder Sekunde ist gefordert, sowie Antizipation in jedem Muskel. Linke Hand extrem beansprucht an der Kupplung, die rechte Hand sehr gefühlvoll am Gas hängend. Die Beine links und rechts stets auf dem Sprung und das Popometer voll auf Anschlag.

Im Blick zu haben gilt es stets auch den Gegenverkehr. Dunkeldieselqualmrußende Monster, die einem hupend die Vorfahrt streitig machen, gilt es die Stirn zu bieten. Doch die wieselflinken Enfields lassen sich im Verkehr nicht die Butter vom Brot nehmen. Im Gegenteil: Sie sind die Könige der Landstraße.

Es wird matschig

Auf der Passhöhe quellen dunkle Monsunwolken über den Bergkamm. Die Sicht schwindet, die Regentröpfchen sind so dicht, dass alle Schutzschilde beschlagen. Es hilft alles nichts, am Ende fahren wir mit offenem Visier. Durch den Regen der vergangenen Tage hat sich der Bergrücken in eine einzige große Schlammpiste verwandelt. Der Schlamm liegt zehn, ja manchmal sogar zwanzig Zentimeter dick. Zweiter Gang rein und den Enfield-Klepper seine Arbeit verrichten lassen. Elegant vorbei geschlängelt an den Brummis, die schier verzweifeln an der schlammigen Rush-hour am Leichenberg. Es geht kaum was vor und zurück, nur die Bikes sind ständig auf der Überholspur.

Souverän gleiten alle zehn deutschen Biker plus Guide durch den Matsch. Kein Umfaller, kein Ausrutscher, keine Kollision. Prima Leistung! In nur zehn Tagen sind wir zu veritablen Enduro-Reitern geworden, die den Schrecken vor Wasserlöchern und Kieselhuppelpisten mit mehreren Quadratmeter großen Schlaglöchern oder glitsichigen Brückenpassagen gänzlich verloren zu haben scheinen.

Wieder heil angekommen

Die Einfahrt durch die engen Gassen von Manali gerät zum Triumphzug der deutschen Bike-Gladiatoren. Freudestrahlend und vollgepumpt mit reinem Adrenalin erreichen wir unser Basislager. „We did it, give me five“ – alleTeilnehmer gratulieren sich gegensetig zur Energieleistung, klatschen sich ab, springen feixend in die Höhe. Der herbeigeeilte Schuhputzer macht das Geschäft seines Lebens.

Zeit Abschied zu nehmen

Den Abend wollen wir mit unserem Tourguide Moti gemeinsam feiern. Es gibt gebratenes Lamm und Pommes-frites mit Ketchup bis zum Abwinken. Von unserem Servicepersonal haben wir uns heute morgen bereits bedankt und alle mit Geldgeschenken, Textilien sowie Handschuhen und einem Helm beglückt. Das sind wir diesen herzerfrischend ehrlich und netten Leuten, die wir liebgewonnen haben, einfach schuldig. Wir haben Land und Leute in unser Herz geschlossen und werden für ewig dankbar sein, „part of this extraordinary motorcycle trips“ gewesen zu sein. Die Reise zum Dach der Welt auf dem Rücken eines Kultmotorrades und gewandet in Kultklamotten von DANE – das ist nicht zu toppen!

Das weitere Dane-Team

Heute porträtiere ich Ihnen zum Abschluss noch einmal das restliche Dane-Abenteuerteam. Nachdem Sie Sven Svensson bereits kennengelernt haben, stehen heute Bernd Spille und Thorsten Grube auf dem Programm.

Thorsten Grube (45) ist seit sieben Jahren bei den Fotoproduktionen von Motoport dabei. Der Lehrer für Sport und Wirtschaft an der Haupt- und Realschule Zetel wohnt in Oldenburg. Er fährt keine eigene Maschine, tut dies einmal jährlich auf den jeweiligen Events. Den Dane-Chef kennt er seit über 15 Jahren. Für ihn als Norddeutschen, der über 3.000 Meter noch nicht hinausgekommen ist, stellt der Himalaya eine sportliche Herausforderung dar. „Es ist eine einmalige Gelegenheit, in einer solch’ erlesenen Bikerrunde mitfahren zu können – und das noch in Kombination mit guten Freunden“, sagt Thorsten. „Außerdem habe ich Riesenspaß, Modell zu stehen.“

Für die Motoport-Marken Dane (Abenteuer) und Difi (Urban) war er mit „Cheffe“ Jens bereits auf Fotoshootings in Polen, Slowenien, Kroatien und Skandinavien. Zwischen 5.000 und 10.000 Kilometern auf dem Bike hat er so absolviert. Sein Traummotorrad ist die BMW R 1200 GS. Mit ihr könne man Reisen und Touren miteinander verbinden.

Früher ist er auf einer Yamaha Ténéré auch schon mal im Gelände unterwegs gewesen. Thorsten ist verheiratet und hat einen vierjährigen Sohn. Lieblingsaktivitäten des Sportlehrers sind Beachvolleyball, Squash, Joggen und Fitness generell. Sein Motto: „No risk, no fun.“

Bremer goes Würzburg

Auch der durchtrainierte Bernhard Spille (47) steht Modell für Dane. Der Einsatztrainer beim Zoll in Bremen bildet unter anderem die einsatzorientierte Selbstverteidigung mit der Schusswaffe aus. Bernd ist geschieden und hat zwei Töchter im Alter von 13 und 16 Jahren. In Frankfurt ist er bereits einmal den Ironman-Wettbewerb mit gelaufen: 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radeln und dann noch den Marathon. „Ich habe mir vorgenommen, einmal im Leben einen durchzustehen – das habe ich geschafft und ich bin stolz auf meine Medaille!“, sagt der athletisch- durchtrainierte Bernd.

Er liebt Mopeds mit Charakter, zum Beispiel Café Racer aller Art. Mit einer Yamaha 900 TDM ist er auch schon unterwegs gewesen. Da Bernd sich gerne mit der Natur auseinandersetzt, kam die Einladung zur Dane-Tour in den Himalaya wie gerufen. Für ihn gibt es kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Klamotten. Da wolle er helfen, die Funktionaliät der Dane-Bekleidung auf der Überquerung der höchsten Bergpässe der Welt aufzuzeigen.

Übrigens ist Bernd begeistert vom Motorradland Deutschland. Sein Geheimtipp ist Würzburg. „Das ist eine tolle Stadt, von der ich sehr begeistert bin“, schwärmt der sympathische Bremer. In punkto moderne Medien ist Bernd nicht so beschlagen, „da frage ich bei meinen Töchtern nach“. Am Motorradfahren gefällt ihm besonders das Beschleunigen. Wenn er die Zeit hat, liest Bernd sehr gerne. Im Moment Robert Galls’ Buch mit dem Titel „Wenn du nichts hast, musst du zusehen, dass du was kriegst“.

Text und Fotos: »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner.

 

Tag 12 der DANE-TEST-HIMALAYA Tour (5. August): Highsider, Wasserfurten und Bock auf Ziegenherden. Mit Highspeed durch die Pang-Wüste. Fahrt über die Pässe Lachung La, Nakeela und Barchalala und erneuter Sturz eines Gruppenmitglieds.

Majestätisch schiebt sich die Sonne über die Bergspitzen und taucht den See in der Ferne in glitzerndes Licht. Die ersten Vögel tirilieren und die Ponys weiden schon wieder das saftige Grün des Hochmoores ab. Um halb neun Uhr starten wir die Maschinen, die wie jeden Tag auf’s neue vom Mechanikerteam repariert und gewartet wurden.

Standhaft bleiben

Da wir wegen Svens vorübergehender Krise einen zusätzlichen Tag in Leh einbauten, steht heute die längste Tagestour auf dem Programm: Am Ende haben wir fast 230 Kilometer heruntergespult. Reine Fahrzeit: Rund sieben Stunden. Sie umfasst insgesamt drei Pässe und dutzende von Wasserdurchfahrten. Textilien und Schuhe müssen eine harte Wasserdichtigkeitsprobe bestehen. Erst recht die Fahrer. Doch langsam gewöhnen wir uns an die Strapazen und die Sache mit dem Höhenkoller – was war das noch mal?

Alles rausholen was geht

Nachdem wir gestern bei der Zufahrt an den Tso-Kar-See bereits das Driften im Sand üben durften, gelingt dies am heutigen Morgen ohne Sturz und Blessuren. Doch die technisch äußerst anspruchsvollen Strecken sollten noch einige Überraschungen bieten. Dazu später mehr.

Nachdem wir den Sand hinter uns gelassen haben, begeben wir uns auf die Highspeed-Strecke in der Pang-Wüste. Wir fahren Rennen und schanzen über die Bumper wie die Profis. 100, bei entsprechend fachlicher Bedienung der Bikes, 120 Sachen Top-Speed, erreichen die Royal Enfields. So machen wir schnell Strecke und erhöhen (kurzzeitig) den Stundendurchschnitt von 35 auf vielleicht 50 Kilometer die Stunde. Ein größeres Stundenmittel ist auf den indischen Highways einfach nicht zu machen.

Atmenberaubender Ausblick

An dem grandiosen Pang-Canyon schießen wir unsere Kameras heiß. Eine unermessliche Weite öffnet sich unseren Augen. So was ist in Europa einfach nicht zu haben, egal wohin man fährt. Allenfalls die osteuropäischen Ebenen liefern ähnliches Licht. Die Auswaschungen sind beeindruckend, unten im Talgrund wälzt sich das Wasser wie ein Silberfaden dahin. Anschließend genießen wir im Road-Tipi köstlichen Tee mit Lemon.

Ab über die Pässe: Lachung-La, Nakeela und Barchalala

Den ersten Pass, den wir heute packen, ist der Lachung La. Ihn kennen wir bereits von der Anfahrt letzte Woche. Das Erklimmen von Norden her ist auch sehr reizvoll. Einige von uns, darunter auch ich, haben beschlossen, heute unseren eigenen Rhythmus zu fahren. Will heißen, etwas entschleunigt vom Motorrad aus die Naturschönheiten in uns einwirken zu lassen. Einfach ein klasse Gefühl, mit einer solchen tollen Truppe unterwegs zu sein und sich vom indischen Natur-Gigantismus beeindrucken zu lassen.

Im Tagesverlauf folgen noch der Nakeela-Pass und der von Nord nach Süd verdammt schwierig zu meisternde Barchalala-Pass. Von überall her zerstört schmelzendes Schnee- und Gletscherwasser die zaghaften Versuche der sommerlichen indischen Straßenbautruppen, so etwas wie einen stabilen Track, ins Gebirge zu fräsen. Bei den Wasserdurchfahrten sind die Dane-Biker mittlerweile so kühn geworden, dass die Wasserfontänen nur so in die Höhe spritzen.

Toll an unserem heutigen Tagesabenteuer sind auch die zahlreichen Kuh-, Schaf- und Ziegenherden, durch die sich der Bike-Corso drängen muss. Unerschüttlich bahnen wir uns unseren Weg durch die Tiermassen, die mitunter genau so stoisch auf ihre Vorfahrt beharren. Doch der kernige Einzylinder-Sound fordert bei den Viechern ihren Tribut und wir ziehen am Gashahn.

Und schon trifft’s den nächsten

Nachdem Doc Markus mit seinem Sand-Diver gestern der Bike-Hero des Tages geworden ist, gewinnt heute Jens Föhl diesen Pokal. Mit einem Highsider rollt sich der Dane-Boss elegant über den rechten Ellenbogen ab. Wieder helfen die Protektoren, die Aufprallenergie komplett zu absorbieren. Die Enfield übergibt Jens ihrem Schicksal. Glücklicherweise sind die Stundenverrechnungssätze in Indien andere als die in Europa. Der Unfallschadensbericht von Ramen lautet: neuer Scheinwerfer, Fußraste links massiv verbogen und wieder zurechtgedengelt, Rücklicht gefixt und Spiegel links montiert.

Die Tour neigt sich dem Ende zu

Kompliment an die wilde Biker-Elf: Wer diesen Höllenritt über drei Himalaya-Pässe unbeschadet überstanden hat, bekommt das Dane-Prüfsiegel „Approved Bikers Quality“. Alle haben ein sehr hohes fahrerisches Können auf den Himalaya-„Highway“ zwischen Leh und Manali bewiesen. Der krönende Abschluss wartet morgen: den “Leichenberg” von Nord nach Süd zu packen. Unser letzter Tag auf den Mopeds!

Heute abend lassen wir am Lagerfeuer für unser indisches Serviceteam den Hut kreisen. Danke an Moti, Ramen, Durga und Pratap von Motorcycle Expeditions. Euer Kundendienst setzt Maßstäbe. Wir werden Euch nie vergessen!

Vorstellung Johann Lodina

Heute im Porträt: Johann „Ion“ Lodina, Jahrgang 1969. Der gebürtige Siebenbürgener ist im Alter von 13 Jahren nach Deutschland gekommen. Heute lebt der Datenbankspezialist und IT-Berater in Nürnberg wo er unter anderem groß angelegte Projektatbeiten der Bundesagentur für Arbeit betreut.

In der Zeitschrift „Motorrad“ hat er per Zufall vom Dane-Himalaya-Projekt erfahren. 2012 wollte er schon einmal mit dem Motorrad die Ferne erkunden, in Peru, in den Anden. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, dachte er sich und entschied sich für den Himalaya-Ride. „Es reizt mich, Teil einer Abenteuerexpedition zu sein, die ungekannte Höhen erreicht und fantastische Landschaften durchfährt“, sagt er. „Ich bin stolz darauf, bei der Dane-Expedition dabei zu sein.“

Johann engagiert sich stark im bekannten Versys-Forum im Internet. Und auch sonst ist er ein bekennender Motorradfreak. Neben seiner Kawasaki Versys 1000 pilotiert er eine KTM Superduke 990 und eine Beta Alp 4.0

Johann ist verheiratet und hat eine 14-jährige Tochter. Neben dem Motorradsport heizt er gerne mit dem Mountainbike durch die Gegend oder fährt Ski in den Alpen. Als aktiver Mensch kann er gut entspannen, „aber nicht zu lange“, fügt er gleich hinzu. Das Motto des drahtigen Nürnbergers lautet: „Erst mach’ das Nötige, dann das Mögliche und dann schaffst du das Unmögliche!“

Text und Fotos: »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner.

 

Tag 11 der DANE-TEST-HIMALAYA Tour (4. August): Sven Svensson reloaded – die wilde Elf bleibt komplett. Sven Svensson ist wieder fit. Die Sozias ziehen weiter und der erneute Pass Tanglang La ist nichts für schwache Gemüter.

Sven ist ein Stehaufmännchen. Nach einem ausgedehnten Heilsschlaf im Hotel Hill Town in Leh hat er seine gestrige Krise (fast gänzlich) überwunden. Das Fieber ist verschwunden, er ist sehr gut transportfähig und er wird uns sitzend im Bus begleiten. Sogar eine Zigarette nach dem Frühstück schmeckt ihm wieder. Ein harter Bursche.

Das Abenteuer kann weitergehn

Vielerlei Optionen hatten wir gestern abend in der Teambesprechung durchgespielt – bis hin zum Direktflug zurück nach Deutschand von Leh aus. Peter nahm zuvor bereits Kontakt mit Svens Auslandskrankenversicherung auf. Wir erfuhren aus dem fernen Deutschland, dass die Versicherung erst dann ernsthaft reagieren und prüfen würde, wenn wir Sven im Krankenhaus einer Diagnose zuführen würden. Gottlob haben wir das Bürokratiemonster nicht wecken müssen; das hätte die ganze Tourplanung ziemlich durcheinandergewirbelt. Das Wichtigste aber ist und bleibt: Sven is back und die Abenteuer der wilden Elf dürfen ungetrübt weitergehen.

Kontakt nach Hause

Nach dem Dinner gestern abend sind wir nochmal in die Altstadt von Leh losgezogen und haben auf der Dachterrasse des Restaurants Wonderland dem bunten Samstagabendtreiben der zumeist jungen Leute zugesehen. Praktisch außerdem: für 50 Rupien haben wir uns im Cybercafé direkt unter dem Balkon eine Internetflat besorgt, um mal wieder gewaltige Datenmengen von Ost nach West zu schaufeln. Jens holt sich die aktuellen DFB-Pokal-Ergebnisse und beauftragt den Motoport-Marketing-Chef Klaus Rohrbach die aktuelle Berichterstattung der Himalaya-Abenteuerreiter auf www.bikeundbusiness.de auf der Dane-Facebook-Seite zu verlinken. Überhaupt berichten viele Tourteilnehmer von ihren Freunden daheim, die die Bike-Homepage als neue Bookmark für sich entdeckt haben.

Die Sozias verlassen uns

Heute morgen haben sich Adrian und Martin zusammen mit den beiden jungen Globetrotterinnen Hanna und Clara am Shanti Stupa gemeinsam den Sonnenaufgang angesehen und sich anschließend von den beiden Damen verabschiedet (detaillierte Informationen über die Art dieses Zeremoniells liegen der Redaktion nicht vor). Hanna und Clara zieht es nun noch tiefer in den Himalaya hinein, Richtung Shrinagar zu Freunden. Vielleicht schaffen es die beiden doch noch in eine Bollywood-Produktion. Auf den Dane-Videos auf Youtube & Co. werden wir sie auf jeden Fall wiedersehen.

Die Gedanken sammeln

Nun sitze ich auf 4.724 Meter Höhe vor dem Zelt und lasse die Geschehnisse des Tages Revue passieren. Wir campieren am Ufer des Salzsees Tso Kar inmitten einer kargen Hochebene. Vor mir weiden auf dem Hochmoorgrün vier Ponys, vor den Zelteingängen verläuft schnurstracks eine Mäuseautobahn. Das Wetter hat umgeschlagen, vor kurzem ging ein Gewitter über uns hernieder. Es war sogar Graupel mit dabei. Kurz danach spannt die Sonne einen wunderschönen Regenbogen über unsere Zeltstadt.

Text und Fotos: »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner.

 

Tag 10 der DANE-TEST-HIMALAYA Tour (3. August): Einer für alle, alle für einen! Die Gruppe hält weiter fest zusammen. Auf dem Weg zum Etappenziel Leh-Tso Moriri mit den ersten Krankheitsfällen und Verletzten.

Bislang verläuft unser zweiwöchiges Indienabenteuer mit Dane und den Royal Enfields ohne größere Zwischenfälle. Das sollte sich heute, am zehnten Tag unserer Reise, ändern.

Auf dem Programm steht das Etappenziel Leh-Tso Moriri, ein Süßwassersee in einem Hochtal gelegen, 4.000 Meter über dem Meer. 210 Kilometer sollen wir heute auf staubigen Straßen fressen, es wartet die längste Einzeldistanz der Tour auf uns.

Zu elft starten wir die Bikes und schlängeln uns durch die morgendliche Rush-hour der Gebirgsstadt. Vor den Toren der Stadt befüllen wir unsere Untersätze mit Indian Petrol. Dane-Chef Jens bittet anschließend zum Gruppenfoto mit elf wilden Kerlen an ihren Bikes vor einem spektakulären Bergpanorama in der Morgensonne. Bilder für die Ewigkeit.

Der erste Geschädigte

Die Route führt am Indus entlang. Nach Upshi biegen wir in ein Seitental ein, das uns einen wunderbar farbigen Canyon erfahren lässt. Plötzlich fährt Sven an die Seite und winkt ab. Schon am Morgen hatte er über starke Kopf- und Bauchschmerzen geklagt. Jetzt geht es körperlich einfach nicht mehr und er steigt in den Bus um. Mechaniker Ramen pilotiert Svens Maschine weiter. So machen wir es, wann immer sich einer von uns erholen möchte. Nichts spektakuläres also sondern business as usual.

Nur mühsam kommen wir voran

Die Straßen befinden sich in erstaunlich gutem Zustand. Zumeist fester Asphalt, unterbrochen immer wieder von steinig-staubigen Passagen. Dann wie so häufig in den letzten Tagen müssen wir abrupt abstoppen: Kommando Baustelle voran! Die Initiative des indischen Verkehrsministers greift. Auf der Klippe fünfzig Meter über unseren Köpfen hackt ein Bagger den sandigen Überhang weg. In riesigen Staubwolken fällt Abruchgestein ins Tal. Nach 15 Minuten schiebt dann eine Planierraupe die Straße wieder frei und wir knattern weiter.

Zeit für Fotos mit Einheimischen

Kurz vor der geplanten Mittagsrast in Chumatang nutzen wir eine idyllische Fußgängerbrücke über den reißenden Fluß zum Fotografierhalt und fangen Motive ein, die sich uns zuhauf bieten: Einheimische Straßenarbeiter, die sich gerne mit uns ablichten lassen und hinterher wie die kleinen Kinder darauf erpicht sind, das eben getätigte Bild kritisch zu beäugen. Zwei Kuhhirtinnen treiben ihre Herde über den Steg und werden in der Mitte der Brücke von unseren charmanten männlichen Dane-Models zum Videoshot abgefangen. Schnell posen die beiden Frauen aus Ladakh wie die Profis. Am stahlblauen Himmel zeigen sich weiße Wolken, am Ufer des Flusses wogen die Roggenfelder, das Thermometer klettert in der Sonne locker wieder über 40 Grad. Die Luft ist trocken und unangenehm.

Einer für alle, alle für einen

Zeit, sich an einem der raren Kioske der Region mit Pepsi und Mango-Limonade und ein paar Tüten salziger Chips zu versorgen, um der Dehydration vorzubeugen. Nach fünf Minuten ist auch schon der Versorgungsbus da. Sven taumelt heraus und sucht sofort liegend Schutz im Schatten des Kioskdaches. Es ist uns und vor allem unseren Tourdocs sofort aufgefallen, dass er ärztliche Hilfe braucht. Um einer Austrocknung vorzubeugen, muss er jetzt viel trinken. Die Docs verabreichen ihm über dreieinhalb Liter Flüssigkeit. Der Puls ist mit 160 viel zu hoch, Sven hat Fieber.

Da wir nicht genau wissen, was unserem Patienten fehlt, entscheidet der erfahrene Notfallarzt Peter Markreiter, bei ihm zu bleiben und ihn zurück nach Leh ins Krankenhaus zu begleiten. Einstimmig beschließt das Team, die Weiterfahrt abzubrechen und ebenfalls umzudrehen. Einer für alle, alle für einen! Jetzt sind wir endgültig zu einer verschworenen Einheit zusammengewachsen, in der jeder für den anderen einsteht.

Der erste Sturz

Auf dem Rückweg darf ich noch die Funktionaliät der Dane-Knieprotektoren testen. In einer steinigen Linkskurve kurz vor der Auffahrt auf eine Brücke schmiert mir der Vorderreifen weg, ich versuche gegenzusteuern, drifte dann aber gegen eine Bodenwelle. Der Sturz ist leider unvermeidlich und ich falle bei Tempo 20 unters Bike. Den Aufprall fange ich mit meinem linken Knie ab. Dank des guten Schutzes der Bekleidung komme ich mit Hautabschürfungen und einer leichten Prellung davon.

Alles wird gut

Während ich diese Zeilen hier im Garten des Hotels Hilltown in Leh schreibe, habe ich mir ein kühles Handtuch ums Knie gewickelt. Alles in Ordnung bei mir! Und die noch bessere Meldung: Sven schläft im Moment den Erholungsschlaf, und zwar im Hotelbett und nicht im Hospital. Denn schon während des Rücktransportes hat sich sein Zustand stabilisiert.

Neben ihm hat sich Peter einquartiert, um jederzeit reagieren zu können, falls sich der Zustand des Patienten doch noch verschlechtern sollte. Durch die entschlossene Art und Weise hat der souveräne Doktor heute die wichtigen und richtigen Entscheidugen getroffen. Wir atmen alle auf und sind alle guter Dinge, dass Sven bald wieder über den Berg ist. Morgen früh wollen wir entscheiden, wie es weitergeht. Bleiben Sie dran!

Vorstellung Sven Svensson

Aus gegebenem Anlass dürfen Sie sich heute über das Porträt von Sven Svensson freuen. Der 31-jährige Motoport-Mitarbeiter wird intern “MacGyver” genannt, weil er ein Tausendsassa ist, der alles reparieren kann. Sven ist in Nordenham geboren. Der Ledige ist nach eigenen Angaben auf der Suche nach „der einen oder anderen schönen Frau, die Motorrad fährt“. Der ehemalige Krankenpfleger ist seit zweieinhalb Jahren in Varel bei Motoport. Dort ist er für Facebook & Co., Onlinemarketing und die Händlerkontakte zuständig. Bei den Fotoshootings unterstützt Sven seinen Chef Jens.

Vor einem Jahr hat er in einem dreieinhalbwöchigen Crashkurs den Motorradführerschein gemacht. „Früher bin ich Schwalbe gefahren, deshalb war das kein großes Ding für mich“, sagt Sven. Momentan fährt er alles, was er unter den Hintern kriegt: zuletzt eine Yamaha XS 750 von 1977, eine Aprilia Tuono RSV 4 oder einen alten Café Racér. „Bike Hardcore“, meint er. Reizen würde ihn die neue Yamaha MT-09, die im Herbst auf den Markt kommt.

Bei der Dane Trans Himalaya Tour ist es ihm wichtig, dass „sich alle Teilnehmer wohlfühlen und zufrieden sind und Pässe zu sehen bekommen, die sie so schnell nicht mehr vergessen werden“. Deswegen wird auch jeder Reisetag auf Video und Bild festgehalten. Bis zu 10.000 Bilder und mehre Stunden Filmmaterial werden im Himalaya produziert. Darauf ist auf unzähligen Motiven auch Sven, der Draufgänger mit gutem Popometer, zu sehen. Wir wünschen ihm schnelle und gute Besserung!

Text und Fotos: »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner.

 

Tag 9 der DANE-TEST-HIMALAYA Tour  (2. August)Der Kardungla-Pass oder Hanna und Clara und die wilden Biker. Mitnahme zweier Backpackerinnen als Sozias und die turbulente Fahrt über den höchsten befahrbaren Motorradpass der Welt.

Heute morgen also stand er auf dem Programm – der weltweit höchste befahrbare Motorradpass der Welt: der Kardungla. Auf 5.650 Metern Meereshöhe gelegen, stellt er für Mensch und Maschine eine große Herausforderung dar.

Um neun Uhr morgens heißt die Parole von Mr. Moti, unserem Tourguide: „Ladies and Gentlemans, start your engines“. Denn seit gestern haben sich unserem Tross zwei deutsche Studentinnen angeschlossen: Clara und Hanna. Seit einigen Monaten durchstreifen die beiden Hamburgerinnen Fernost sowie den indischen Subkontinent, um dessen Sitten und Gebräuche kennenzulernen. Auf der Dachterrasse lernen wir die beiden Globetrotterinnen kennen, die sich auf ihrem Trip gerne vom Kollegen Zufall helfen lassen und so an interessante Begegnungen und Kontakte kommen.

Den beiden kommt die Motorradgang zum rechten Moment in die Quere. So eine Soziafahrt auf dem Motorrad fehlte ihnen noch im kulturellen Programm ihres Trips. Und so reiten sie mutig bei Adrian und Martin mit und erobern gemeinsam mit uns das Dach der Welt auf unserem Trip des Lebens.

Überquerung des Kardungla-Passes

Wegen Verbreiterungsarbeiten an der Pass-Straße kommen wir nur langsam voran. Immer wieder Planierraupen, Bagger und Lkw, die alles blockieren. Von beiden Seiten verstopfen sich die Passengen für mehrere Stunden.

Wir beschließen, die Bikes an der Seite zu parken, und die letzten 750 Metern zu Fuß zu gehen. Oben angekommen, wir von der Panoramsicht überwältigt. Nach Norden hin öffnet sich uns der Blick auf das Kharakoum-Gebirge mit seinen zahlreichen 8.000er Gipfeln. Really spectacular!

Die rasante Abfahrt vom Kardungla zurück nach Leh lässt kaum Zeit, die Naturschönheiten zu genießen. Wilde Eselherden, Kühe an irrsinnig steilen Hängen und erstmals ein Yak, das friedliche schwarze Zotteltier mit dem gefährlich aussehenden Hörnern.

Erneut verlangt uns die Natur alle Kräfte ab. Konzentration an jeder Ecke, die Straßen sind so eng, dass jede Kehre mit Hupe angefahren werden muss. Ein kleiner Moment der Unachtsamkeit und Fahrer und Fahrzeug drohen in den Abgrund zu stürzen oder mit einem entgegenkommenden Fahrzeug zu kollidieren. Vor allem die beiden Enfieldpiloten mit Sozia müssen ihr fahrerisches Können unter Beweis stellen.

Zurück im Basislager

Glücklich wieder in unserem Basislager in Leh angekommen, ärgern wir luxusverwöhnten Westeuropäer darüber, dass in der ganzen Stadt kein Internet-Anschluss funktioniert. Weder an der Hotellobby noch an den zahllosen Internet-Cafés. Die Computerbildschirme bleiben dunkel.

Am Abend flanieren wird durch die windige Altstadt und kehren in einem tibetanischen Spezialitätenstaurant ein: würzige Suppen, Frühlingsrollen und gefüllte Teigtäschchen aus der Garküche. Dazu Coke und Kingfisher-Bier. Der Tag klingt kulinarisch köstlich aus, die Gedanken streifen die 210-Kilometer-Etappe, die morgen auf uns wartet, und uns an ein Zeltlager eines Sees auf über 4.000 Meter Höhe führt (Attention, Headache!). 190 Kilometer der Fahrtstrecke soll auf komfortablem Untergrund stattfinden. Doch was heißt schon komfortabel in Indien?

Text und Fotos: »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner.

Bilder von Tour-Teilnehmer Sven Svensson.


Tag 8 der DANE-TEST-HIMALAYA Tour  (1. August):
 Fußmarsch durch die hektische Kleinstadt, vorbei an mystischen Schlangenbeschwörern bis hoch zum wunderschönen Tempel Shanti Stupa.

Die Nacht im Hotel war luxuriös. Klasse Betten und sanitäre Einrichtungen, mit denen sich der Staub in unseren Haaren und Ohren adäquat bekämpfen ließ. Seit langem habe ich mal wieder sechs Stunden am Stück pennen können. Frühs um vier sprintet mein Zimmerkollege Markus zur Toilette. Montezumas Rache ist auch in Indien ein gängiges Phänomen. Um 5 Uhr ergänzt der Morgenruf des Muezzin die Kakophonie aus dem Bad mit religiösem Singsang. Einen Audiomitschnitt untersage ich mir. Rund 15 Prozent Muslims leben hier neben der Majorität der Buddhisten, Kaschmir ist nicht weit. Langsam erwacht das Leben in Leh.

An dieser Stelle muss korrigiert werden, dass die Hauptstadt der Region Ladakh nur 20.000 Einwohner zählt. Unser Tourguide hat sich gestern um eine Dezimalstelle geirrt oder es handelte sich um einen simplen Übersetzungsfehler. Kann passieren in der Hektik.
Mit einem köstlichen Frühstück in der Dining Hall des Hotels kommen wir wieder zu Kräften. Das positive Lächeln des Waiters namens Altaf ist ansteckend. Schwarztee mit viel Zucker wird gereicht. Wir ordern Cheese Omelettes und Pancakes mit Marmelade – einfach köstlich.

Spektakuläre Rafting-Tour
Der sportivste Teil der Gruppe, Adrian, Johann und Martin, möchte auch heute nicht einen Gang zurückschalten und hat eine Rafting-Tour auf einem Nebenfluss des Indus gebucht. Sie spielen am Abend spektakuläre Go-Pro-Aufnahmen auf die Laptop-Speicherplatten. Mit von der Partie ist auch Motorradguide Moti, dem das Team diese Bootsfahrt spendiert hat. Wie ein kleines Kind freut sich der harte Kerl, zusammen mit seinen Mopedkumpels aus Germany durch die braunen Fluten zu jetten. Da er dies zum ersten Mal tut, drängt er seinen sonst zu Tage tretenden Führungsanspruch auf der Enfield deutlich in den Hintergrund und paddelt lieber um sein Leben.

Text und Fotos: »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner.

 

Tag 7 der DANE-TEST-HIMALAYA Tour (31. Juli): Die Fahrt durch das grüne Inuds-Tal. Das knappe Entkommen eines Erdrutschs und die Ankunft im luxuriösen Hill Town Hotel.

Wir haben die gestrige Lagerfeuerromantik sehr genossen. Holz ist hier ein wertvolles Gut. Martin legt noch ein bisschen Musik auf und so lassen wir bei Enrico Morricone („Spiel mir das Lied vom Tod“) und Pink Floyd („Shine on you crazy diamond“) den erlebnisreichen Tag auf dem Motorrad bei Benzingesprächen ausklingen. Auf 4.360 Meter Meereshöhe und fernab jeder Stadt zählen wir am Firmament wesentlich mehr Sterne als bei uns zuhause. Ab und an verglüht eine Sternschnuppe über den Bergrücken, die noch von Schnee bedeckt sind.

In Aufbruchsstimmung
Die Morgenwäsche am Bach und das Frühstück im Camp sind an Romantik nicht zu überbieten. In einer halben Stunde ist unser Biker-Biwak dank der fleißigen Hände der Inder abgebaut und wir brechen auf. Die Mopeds durchpflügen den Bach, der das Camp von allen Seiten umströmte.

Auf alles gefasst sein
Unser Ziel heute ist die 200.000 Einwohner zählende Metropole Leh, die Hauptstadt der Provinz Ladakh. Die deutsche Motorradgang genießt die kurvige Bergabfahrt in einem beeindruckenden Canyon mit rotem Sandgestein und einem glitzernden Strom. Da plötzlich, eine Staubwolke vor uns auf der Piste. Ein kleiner Bergrutsch – kann passieren in Indien. Glück gehabt!

Im ursprünglichen Indus-Tal
Dann erreichen wir das Indus-Tal, wo einst die Wiege der indischen Kultur stand. Am Ursprung des groß indischen Stromes wird plötzlich alles grün, Bäume säumen das Ufer. Wir passieren eine Police Station und Muti meldet uns deutsche Biker beim Ladakh-Ordnungsamt an.

Diesmal erwischt es meine Enfield mit einer Panne. Stromausfall, Zündung leuchtet nicht mehr auf. Schon springt der Mechaniker herbei, säubert die Kontakte der Batterie und nestelt an an einer Verteilerdose herum. Alles wieder im grünen Bereich und wir cruisen am Ufer des Indus entlang.

Unterwegs besichtigen wir das größte und reichste Kloster von Ladakh, die Hemis’ Monasteries. Lunch in Tiksey, am Fuße der Stadt, die komplett auf einem Steinfelsen gebaut ist. Hübsch anzusehen.

Endlich wieder Netz
Bei 39 Grad im Schatten müssen die Dane-Klamotten zeigen, was sie bei einer solchen Hitze in der Lage sind zu leisten. Elf Enfields erreichen mit erschöpften, aber glücklichen Männern im Sattel, Leh, und hier das luxuriöse Hotel Hill Town. Alle holen ihre mobilen Endgeräte heraus und versuchen über das Hotel-Wifi ein Lebenszeichen nach Europa abzusenden. Der Draht bricht ständig ab und kommt dann wieder. Die Biker saugen und versenden ganz schöne Datenfluten von Indien nach Europa.

Zeit für Sightseeing
Der Clou an Leh: Der Dalai-Lama ist in den nächsten Tagen hier zu Gast und unser Tourguide bemüht sich um eine Kontaktaufnahme. Das wäre der Hammer und sicher der Höhepunkt des Trips. Morgen ist motorradfrei und wir erkunden die Stadt. Das tut den Knochen auch mal gut. Die Mechaniker checken die Mopeds, wir unternehmen eine kleine Wanderung zum Shanti Stupa, einem Aussichtpunkt, wo man einen ausgezeichneten Blick über die Altstadt haben soll.

Text und Fotos: »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner.

 

Tag 6 der DANE-TEST-HIMALAYA Tour (30. Juli): Drei Pässe nach einer durchwachten Nacht. Überquerung drei großer Pässe mit ein paar kleinen Zwischenfällen und Ankunft im schönen Ladakh-Dörfchen Rumtse.

Alle zehn Biker quälen sich morgens um 6:00 Uhr aus ihren Zelten: „mannomann“ stöhnen alle, „wir haben alle kein Auge zu getan“. Das Camp liegt auf über 4.300 Metern Meereshöhe. „That’s quite normal at this altitude”, sagt unser Tourguide Moti. Zum Frühstück Porridge, Toastbrot und Marmelade, dazu süßen Schwarztee und Kaffeepulver zum Anrühren. So recht schmecken will uns das heute morgen allen nicht.

Freudiger Start in den neuen Tag

Doch kaum sind die Enfields angetreten und wir drehen am Gashahn, sind die Kopfschmerzen und die ganze Unlust wie weggeblasen. Der vibrierende Einzylinder setzt sofort Adrenalin frei und unsere Köpfe sind wieder ganz Bike. Zwar haben wir heute mit 180 Kilometern die längste Tagesetappe vor uns, doch erwartet uns aber auch der bislang beste Asphalt.

Kleine Schadensfälle blieben nicht aus

Auf 60 Kilometern Strecke düsen wir mit bis zu 100 km/h über die Wüste der Pang Moore Plains. Der Top-Asphalt wird immer wieder durchbrochen von kleinen Brücken, bei denen die Fahrer sich erheben müssen, um nicht einen sofortigen Bandscheibenvorfall zu erleben. Markus produziert einen veritablen Highsider und fängt die hochsteigende Maschine beim Landen mit dem rechten Handgelenk ab. Die Aufprallenergie ist so stark, dass er damit die Handlebar verbiegt. Bei Sven fetzt es die Kette weg, Johann bekommt nach einem Platten einen neuen Schlauch. Aber wie gesagt: Das Mechanikerteam von Motorcycle Expeditions ist fix und repariert alles in Rekordtempo. Wir Biker haben den Kopf frei und können Landschaft und Motorrad in vollen Zügen genießen, die helfenden Hände sind jederzeit „behind us“.

Erstaunlich große Gastfreundschaft

Die anderen warten derweil in den typischen Zeltküchen am Rande, schlürfen hervorragend gewürzte Gemüsesuppen und ruhen sich auf Kissen etwas aus. Die Gastfreundschaft ist umwerfend. Die Leute lächeln alle durch die Bank, nehmen Kontakt auf und freuen sich über die Besucher aus der Fremde. Selbst die Straßenarbeiter, die pro Tag 1,50 Euro verdienen, stehen brav Spalier und winken, wenn wir mit unseren staubenden Höllenmaschinen an ihnen vorbeibrettern.

Angenehme Abfahrt vom Tang La-Pass

Die Abfahrt dann vom Tanglang La-Pass (5.300 Meter) gerät bei nagelneuem Asphalt zur Kurvenhatz allererster Güte. Allmählich wandelt sich auch unsere Schnappatmung in ruhiges, gleichmäßiges Luftschnappen. Fast fühlen wir uns wie in heimatlichen Gefilden und ich erinnere mich sehr gerne an unsere Gipfelstürmer-Tour in den Alpen. Wie lange liegt denn das schon wieder zurück? Gefühlt sind es Lichtjahre. Denn als Motorrad-Aliens im Himalaya muten wir für die Einheimischen, equipped mit Hightech-Klamotten von Dane und unseren zahlreichen Onboard-Kameras, nun wirklich an wie von einem anderen Stern.

Ankunft am idyllischen Zeltplatz

Rumtse, das erste Ladakh-Dörfchen erreichen wir am späten Nachmittag. Uns erwartet ein wunderschön gelegener Zeltplatz. Ein Gebirgsbach sprudelt nebenan und bewässert wogende Weizenfelder. Unten im Tal nehmen Martin, Johann und Stephan ein erfrischendes Bad im Fluß: Naked Bikers!

Porträt Adrian Fried

Bevor wir nun noch ein herrliches gemeinsames Abendessen einnehmen und hoffentlich eine geruhsamere Nacht wie die gestrige verbringen, möchte an dieser Stelle beginnen, einen kleinen Steckbrief der Tourteilnehmer zu verfassen.

Beginnen wir heute mit Adrian Fried (23) aus Einbek. Er ist einer der beiden Gewinner der Casting-Aktion von Dane auf Facebook. Der gelernte Holzmechaniker wird im Oktober sein Studium der Holztechnik in Rosenheim aufnehmen. „Das Dane-Motorradabenteuer im Himalaya kommt mir da ziemlich gelegen, um noch mal den Kopf freizubekommen“, sagt er. Vor kurzem hat er die BMW R 1200 R von seinem Opa übernommen. Vatern fährt auf K 1600 GT ab. Adrians Traumbike ist die BMW R 1200 GS oder irgendein abgedrehter Café Racer. Adrian ist bereits Roller gefahren und hat dann selbstredend den Motorradführerschein gemacht. Der Single geht gerne ins Fitnessstudio und hilft schon mal häufiger im elterlichen Betrieb ab. Seinen Zivildienst leistete er in Irland bei den „Freunden der Erziehungskunst Rudolf Steiners” ab.

8.000 bis 10.000 Kilometer reißt er jährlich mit seinem Motorrad runter. Vorletztes Jahr war er in Südfrankreich. Am „Trip seines Lebens“ reizt ihn, „das Zusammentreffen von Bergen, Höhen, Kultur und das mit dem Motorrad zu erkunden“. Gespannt ist der Twen und damit jüngste im Fahrerfeld auch auf die Funktionalität der Dane-Klamotten.

Morgen erreichen wir nach 70 Kilometern Leh – und sind dann wieder online. Ist manchmal auch ganz angenehm, kein Netz zu haben. Motto: Offline mal richtig Offroadspaß haben. Stay tuned…

Text und Fotos: »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner.

 

Tag 5 der DANE-TEST-HIMALAYA Tour (29. Juli): Keine Angst vorm Höhenkoller! Erfolgreiche Überquerung des Barchalala-Passes.

Am nächsten Morgen um 8:00 Uhr starten wir zur nächsten Etappe. Ziel ist die Zeltstadt bei Sarchu die wir über den auf bis 4.890 Metern Meereshöhe hinaufreichenden Barchalala-Pass erreichen. Wunderschöne Wasserfurten, Baden in eiskalten Seen und ein Höhenpanorama – zumal auf besseren Pisten – lässt uns gut vorankommen. Dem Höhenkoller begegnen wir mit viel Wassertrinken und den Medikamenten, welche unsere Docs empfehlen: Aspirin, Paracetamol und Cortison. Vom Kopfschmerz sind wir alle mehr oder weniger geplagt. Der Planet Sonne brennt gnadenlos, die Arbeit mit den Mopeds fordert uns. Ständig höchste Konzentration: die nächste Bodenwelle wartet schon.

Vorfreude auf Tag 6

Erschöpft, aber glücklich erreichen wir das Zeltlager in Sarchu. Wunderschön komfortable Zelte mit eigener Toilette und Waschbecken. Luxus auf 4.300 Meter-Meereshöhe. Abendessen und Zapfenstreich um 21:00 Uhr. Dane-Chef Jens Föhl und seine Antreiber pochen auf Tag sechs. Es wartet die mit 170 Kilometer (ca. sieben Stunden Fahrtzeit) längste Etappe. Drei Pässe der obersten Kategorie gehören uns: ich erwähne an der Stelle den Lachung La (4.950 Meter) und den Tanglang La (5.300 Meter), der zweithöchste mit dem Motorrad befahrbare Pass, und zum Abschluss die Weiterfahrt an unser Etappenziel Rumtse. Davor durchqueren wir auf 60 Kilometer die Wüste mit tibetanischen Nomaden. Wir erreichen die Ladakh-Region mit den ersten originalen Dörfern. Das Abenteuer geht weiter. Und der Höhenkoller ist bis dahin hoffentlich komplett verflogen.

Text und Fotos: »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner.

 

Tag 4 der DANE-TEST-HIMALAYA Tour (28. Juli): Der Rohtang-Pass oder die Offroad-Hölle auf zwei Rädern. Schwierigsten Pass der Tour überstanden. Der Aufstieg auf den 3.978 Meter hohen Rohtang-Pass inklusive kleinen Pannen und den ersten Offroad-Erfahrungen.

Heute steht die erste Bergetappe auf dem Programm: der Rohtang-Pass. Schon der Name (zu deutsch: “Leichenberg”) verschafft Respekt. Es soll der schwierigste Pass der Tour sein, sagt man uns. 3.978 Meter hoch und die Strecke besteht aus 25 Prozent Offroad-Anteil, der Rest Schotter, ein wenig Asphalt zwischendurch – und viel Schlamm. Der Aufstieg erfolgt auf der Schlechtwetterseite des Berges, deshalb schlägt der Monsunregen immer wieder gewaltige Furchen und Lücken in den Weg. Für die Straßenarbeiter eine Sisiphos-Arbeit. Kaum geflickt, rollen die Karwenzmänner von Steinbrocken wieder talwärts und richten ihr vernichtendes Werk an. Und auf der anderen Seite des Berges, der trockenen Schönwetterseite, gleiten wir auf extrem staubigen Pisten abwärts, und müssen durch Wasserlöcher, die sich gewaschen haben.

Und plötzlich geht nichts mehr

Für uns Flachlandbiker ist dieser Berg eine echte Herausforderung! Abschied aus Manali und der Zehner-Konvoi, angeführt von unserem Guide Moti, verlässt die Stadt. Kurz nach dem Ortsausgang geht meine Maschine plötzlich aus. Mehrere Kickstartversuche, nichts geht mehr. Doch sofort flitzt Ramu, unser Mechaniker, dazu und wechselt die Zündkerze. Prima, Kiste läuft wieder und auf geht’s, den anderen hinterher. Ein gutes Stück weiter oben reißt bei Thorsten der Kupplungshebel. Wieder das selbe Spiel, Ramun repariert die Maschine. Betreutes Fahren, Motorcycle Expeditions sei Dank.

Dem Himmel so nah

Die Gruppe kommt harmonisch voran und erklimmt Höhenmeter für Höhenmeter. Plötzlich Nebel und die Sicht schwindet. Visiere laufen an, die feinen Regentröpfchen werden immer dichter. Weiter oben wird die Straße dann ziemlich löchrig. Oh mein Gott, worauf haben wir uns da eingelassen. Dann die erwarteten Schlammpassagen. Den zweiten Gang eingelegt, Gas weg, ein wenig mit der Kupplung gespielt und die Royal Enfield zieht wie ein Traktor seine Bahnen im Acker. Top! Das hätte ich nicht erwartet. Dieses Bike ist wie geschaffen für den Himalaya. Oben reißt dann der Himmel auf und gibt einen spektakulären Blick frei auf eine grandiose Bergkulisse. Die Euphorie über die ersten überwundenen Hindernisse und diese Aussichten geben uns neue Kraft. Die ersten Posts auf 4.000 Meter gehen raus, wir sind dem Himmel so nah.

Die ersten Offroad-Erfahrungen

Bevor wir die Polizeistation des Koksar Tales (heißt wirklich so) erreichen, feilen wir an unserer Offroad-Kompetenz. Sven macht Bekanntschaft mit einem Wasserloch, welches das Bike fast zur Hälfte verschwinden lässt. Er macht den Fehler, stehenzubleiben, fällt um und geht mit seiner Maschine nebst Ausrüstung baden. Statt “MacGyver” wird er in der Truppe ab sofort “MacDiver” genannt. In Jispa am Bhaga River beziehen wir in einem Hotel Quartier.

Ich bin fix und alle, eine größere mentale und körperliche Anstrengung wie den Rohtang-Pass mit dem Bike habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht unternommen. Dabei ist das erst der Anfang…

Text und Fotos: »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner.

 

Tag 3 der DANE-TEST-HIMALAYA Tour (27. Juli): Sightseeing Delhi und der Ritt über die Morgenröte. 15-stündige Busfahrt durch das abenteuerliche Indien. Ankunft im Himalaya Gebirge und die erste Fahrt auf der Royal Enfield.

Bevor der Volvo-Sleepliner Delhi verlässt und sich auf die 560 Kilometer lange Reise gen Norden nach Manali macht, schalten wir in den Touristenmodus und besichtigen die historische Seite der Stadt. Im Park des Qubt-Minar-Turmes jagen Ice Age-Squirls durch die Gegend und knall-grüne Papageien stopfen in den historischen Mauerresten ihrem Nachwuchs das hungrige Maul. Kokette Koreanerinnen bitten die deutsche Männerrunde und vor allem unsere Top-Modelle Bernd und Thorsten (die mit den gestählten Bizeps) zum Fotoshooting. Wegen seiner speziellen Bauweise wirkt das mächtige Bauwerk wie der schiefe Turm von Pisa – allerdings ist dies nur eine optische Täuschung.

Abenteuerliche Fahrt mit dem Sleepliner

Der Versuch unseres Guides „Mr. Moti”‘ (36), die an diesem Tag kulturell beflissenen Danetypen zu einer kleinen Verkaufsveranstaltung in den Andenkenshop zu bitten, schlug grandios fehl. Die Majorität zog ein kühles Fosterbier im In-Biergarten vor. Danach Sprintetappe durch das Gewusel der Rush-hour zum Busbahnhof, wo der Volvo-Sleepliner die zahlreichen Koffer in seinem Bauch verschluckt. Über Nacht fliegt die Bus-Ladung Dane sehnsüchtig unserem Ziel entgegen. Bitte bringen Sie ihre Sitzplätze in Schräglage und träumen sie vom Tourziel Himalaya.

Was wir dann auf der 15-stündigen Busfahrt erlebt haben, war allerdings kein sanftes Träumen sondern Abenteuer pur. Gegen unseren Busfahrer hätte Sebastian Vettel bei einem Rennvergleich auf der indischen Landstraße nicht den Hauch einer Chance, um zu gewinnen. Scheinbar wie eine Fledermaus mit Sonar ausgestattet zirkelt unser Driver den Volvo-Bus mit 40 Liegeplätzen an Bord durch die indische Nacht. Mal links, mal rechts vorbei an Kleinlastern, Leichtkrafträdern und überladenen Dreirädern, stetig hupend und mit Chuzpe über die Piste rasend. Nach den ersten 350 Kilometern nähern wir uns den Vorläufern des Himalaya und wir entern ein wahres Kurvenparadies, allerdings mit teilweise fatalistischem Untergrund, der den Federn des Volvo-Busses allerhand abfordert, vor allem bei dem Tempo, das gefühlt dreißig Sachen zu schnell ist.

Martialisch werden wir hin- und hergeschleudert, Gepäckteile und Wasserflaschen stieben durch die Gegend. Martin aus Dresden lässt einen Red-Label-Whisky kreisen. Der Schluck aus der Pulle beruhigt etwas. Nebenan fängt ein junger Inder an, seekrank zu werden und kotzt sich die Seele aus dem Leib. Ein starkes Gewitter mit Blitz und Donner und Starkregen gibt der Bus-Etappe ihre Würze. Als die Sonne aufgeht schält sich um uns herum eine fantastische Landschaft aus dem Morgennebel. Reißende Raftingflüsse, Wasserfälle und idyllische Bergdörfer, viele Kühe auf der Fahrbahn, die indische Mixtur halt. Endlich erreichen wir um 9 Uhr morgens das Ziel Manali. Am belebten Busbahnhof meistern wir die Kofferschlacht diesmal routiniert und zügig dank vieler helfender Hände unseres Organisators und checken voller Vorfreude im Highland Hotel, am Rande des Herzens der Bergstadt ein.

Langsam wird es ernst

Nach einer ersten Testfahrt mit den Royal Enfields Machismo 500 auf dem Hof (das im Kind im Manne) klärt uns Buddi Singh, Chef von Motorcycle Expeditions, über die Besonderheiten beim Fahren in großer Höhe auf. Viel Trinken, langsam fahren, keinen Müll hinterlassen, jeder soll mit seinem Rhythmus und Tempo unterwegs sein und den Trip seines Lebens genießen. Bei Anzeichen von Höhenkoller (kein Hunger, kein Durst, Schwindelgefühl oder Kopfweh) Signal geben, damit der betroffene Fahrer sofort 400 bis 500 Höhenmeter nach unten verlagert werden kann. Zusätzlich sorgt Sauerstoff im Begleitfahrzeug für Sicherheit. Außerdem haben wir zwei Ärzte in unserem Team, Markus Meissner (54) aus Sersheim bei Bietigheim-Bissingen, Arzt für Allgemeinarzt und Naturheilkunde, und Peter Markreiter (56), ein gelernter Unfallchirurg und Orthopäde, der jetzt Gesellschaftsarzt für die Versicherungskammer Bayern in München ist. Langsam reift bei uns allen der Gedanke, dass das keine Spazierfahrt werden wird und wir mobilisieren unsere mentalen Kräfte. Jetzt wird es bald ernst.

Einweisung in die Funktion der Royal Enfield

Am frühen Nachmittag lernen wir auf einem 45 Kilometer-Ritt nach Nagga zum Lunch die Enfields näher kennen und gehen quasi erstmal in die indische Fahrschule. Ganz stolz bin ich darüber, dass ich die 500 Kubik Einzylinder-Maschine bereits beim ersten Versuch per Kickstarter zum Leben erwecken konnte. Das ist mir das letzte mal vor 31 Jahren geglückt auf meiner Hercules Supra4.

Kaum hat der Einzylinder gezündet, schallt uns ein satter, kerniger Sound entgegen. Die ganze Maschine vibriert und knattert, dass es eine Freude ist. „Das ist Motorradfahren pur und hat was von unseren guten alten Ostbikes”, sagt Martin Wenzel (46) aus Dresden, neben Adrian Fried (23) aus Einbek Gewinner der Dane-Abenteuertour.

Erste Fahrt auf dem „indischen Kultbike”

Nach einer kurzen technischen Einweisung (wir fahren übrigens „europäisch”, also mit Linksschalter) geht es auch schon von unserem High Land-Hotel ab ins Gewimmel von Manali, auf der linken Straßenseite natürlich. Nach den ersten zwei, drei Kurven habe ich den Linksdreh schnell wieder raus und gewinne an Sicherheit. Schließlich bin ich ja schon in Südafrika und Japan auf dem Motorrad unterwegs gewesen.

Doch ganz so einfach ist es dann doch wieder nicht. Enge Straßen werden plötzlich wirklich eng, wenn sich gleichzeitig indische Passanten, Hunde, Kühe, Transporter, Busse und Enfields aneinander vorbeizwängen wollen. Wer zuerst hupt, gewinnt! Schnell gewinnen wir Übung im rechtzeitigen Betätigen des Signal und assimlieren uns rasch im Verkehr. Elegant weichen wir Schlaglöchern aus und die idealen Radien bei den Links- und Rechtskurven gelingen immer besser. Der anfängliche Respekt vor der Maschine ist verflogen, der für die ungewohnten Verkehrssituationen bleibt. Und das ist gut so. Hier in Indien darfst du für keinen Moment schläfrig durch die Gegend biken, an jeder Ecke sind Reaktionen erforderlich und der Lenkbefehl fürs Fahrzeug muss blitzschnell erfolgen.

Der erste Tanz auf der Enfield hat mir und den zehn Teilnehmern einen Riesenspaß gemacht. Fahrwerk, Sitzposition und die Fähigkeit, die Unebenheiten der „rough toads” wegzuschlucken, zeichnen das indische Kultbike aus. Die Crew von Motorcycles Expeditions um Buddi Singh (32) und „Mr. Moti” plus Mechaniker Ramen (23) strahlt Ruhe und Gelassenheit, Souveränität und Professionalität aus.

Auf in’s Abenteuer

Das Vorgeplänkel hat ein Ende, morgen startet für uns alle der „Trip des Lebens” und wir erstürmen auf zwei Rädern den Rotangla-Pass (3978 Meter hoch) soll die schlammigste Etappe der insgesamt 1.500 Kilometern langen Dane Trans Himalaya Tour werden. Ausgestattet mit der neuesten Motorradschutzbekleidung von Dane gehen wir zuversichtlich auf Gipfelsturm. Der eine oder andere Ausrutscher sollte da kein Problem sein. Und die Funktionalität bei Wind, Wasser und sonstigen Wettern testen wir on the road.

Heute endet zunächst der W-Lan-Zugriff in der Zivilisation. Die Zelte sind gerichtet, die Schlafsäcke gepackt; nun müssen Solarcharger und Autobatterie sowie das indische Funknetz im Gebirge zeigen, was sie draufhaben. Ich freue mich jetzt schon, das nächste Lebenszeichen von uns an Sie Zuhause durchgeben zu dürfen. »bike und business«- join the spirit.

Text und Fotos: »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner.

 

Tag 2 der DANE-TEST-HIMALAYA Tour (26. Juli): Teamgeist und Kulturschock in Delhi. Ankunft in einer anderen Welt. Im überwältigenden Indien und Treffen mit restlichen Tour-Teilnehmern.

Nach einem kurzen Zwischenstop in Istanbul erreicht der Turkish Airline Flieger TK0716 am frühen Morgen New Dehli. Endlich in Indien. Erstmals betreten viele von uns den indischen Subkontinent, der von seiner Bevölkerungszahl her und seinen geografischen Abmessungen eigentlich ein eigener Kontinent ist. Im Großraum New Delhi leben über 30 Millionen Menschen, der gigantische Airport wickelt jährlich 35,1 Millionen Passagiere ab, wie uns ein Schild in der Empfangshalle signalisiert. Die ganze Flughafen-Indoorfläche ist ein einziger großer zusammenhängender Teppich. Wenn jemand nachmessen würde, wäre ein Eintrag im Guinessbuch der Rekorde sicher. Nach dem unbürokratischen Grenzübertritt am Immigration-Schalter passiert die mit unzähligen Koffern ausgestattete Dane-Delegation auch den Zoll. Um 4:50 Uhr schauen auch die Beamten noch ein wenig schläfrig drein.

Freudiger Empfang am Flughafen

Freudestrahlend empfangen uns Mr. Moti und weitere Mitarbeiter, hängen uns Freundschaftsbänder aus echten Nelkenblüten um den Hals und wir verräumen unser Kampfmaterial in den kleinen Bus, ein Force India, ein Nachbau des Bremer Busses Typ 208 der Marke Mercedes.

Wie in einer anderen Welt

Die Fahrt zu unserem Tageshotel wird zur ersten Sightseeingtour – und die Teilnehmer bemerken schnell, dass wir hier tatsächlich auf einem Teil des Planeten gelandet sind, der ziemlich anders ist als der Rest der Welt. Überall streunende Hunde, die in den Straßengräben und den zahlreichen wilden Müllkippen nach Nahrung suchen, nervöses Gehupe auf den Straßen, Kleinlaster, Apes, die hier Baja heißen, Mopeds mit drei, ja manchmal vier oder mehr Passagieren überladen und Menschen, die auf dem bloßen Asphalt übernachten.

Ankunft im Hotel

Bereits am morgen zeigt das Thermometer 33 Grad an, 41 sollen es am Ende des Tages werden. Die Gluthitze wird von einer niederschmetternden Luftfeuchtigkeit begleitet. Nach einer knappen dreiviertel Stunde erreichen wir das Florence Inn mitten in der City. Vor dem Hotel steht eine 350er Royal Enfield und weckt die Lust auf’s Motorradfahren. Die Dusche und ein Frühstück mit Omelette, Bohnen und süßen Toasts bringt uns unsere Lebensgeister zurück.
“Less spicy, please”

Jetzt sind auch die restlichen drei Teilnehmer, die aus München angereist sind, zu uns gestoßen und komplettieren das Dane-Fahrerlager. Um 12 Uhr lädt uns das Motorcycle Expeditions Team zum Mittagessen ins Restaurant Suruti – mehrfach mit dem Times Food Award ausgezeichnet – ein, wo wir mit heimischen, vegetarischen Speisen verwöhnt werden. “Less spicy, please”, lautet der Standardspruch. Anschließend erkunden wir die Stadt, zu Fuß (großes Abenteur) und im Bus (komfortableres Abenteuer), bevor am Abend der bequeme Volvo-Bus mit Schlafsesseln uns 1.000 Kilometer nach Norden bringen wird. Zehn Stunden, die uns unserem Zielgebiet im Himalaya näher bringen. Manali, wir kommen!

Text und Fotos: »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner.

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Am 25. Juli 2013 startete das DANE-Team zum Bekleidungstest in den Himalaya. Aufregende und anstrengende Kilometer warten auf die Beteiligten. Auf dieser Seite werden wir euch aktuell über die DANE-TEST-HIMALAYA Tour informieren. Folge uns und werde ein Teil dieser Tour. Wir freuen uns schon jetzt auf eure Kommentare. Wir sind natürlich auch auf Facebook vertreten.
DANE – MEET NATURE.